Jelinek G1 and Neate S: The influence of the pharmaceutical industry in medicine. Journal of Law and Medicine, Volume 17, Number 2, October 2009, 216, PMID 19998591, PDF.
Roche stellt das erfolgreiche Krebsmedikament Avastin her (6 Mrd. Umsatz pro Jahr). Im 2005 entdeckt ein Augenarzt zufällig, dass dieses Medikament gegen die Augenkrankheit Makuladegeneration (AMD) hilft. Der Erfolg und die Wirksamkeit des Medikamentes sind nicht zu übersehen. Die Augenärzte beginnen schnell, das Medikament einzusetzen. Ärzte sind in der Anwendung von Medikamenten nicht eingeschränkt. Dies wird übrigens auf Englisch als Off-Label Einsatz bezeichnet.
Im Jahre 2007 bringt Novartis, der 30% der Aktien von Roche gehören, das Medikament Lucentis auf den Markt. Dabei ist Lucentis im Prinzip eine Neuverpackung des Medikamentes Avastin. Zusätzlich wurden die notwendigen wissenschaftlich Studien erstellt. Das Übel dabei ist nun, dass dieses Medikament über 10x teurer verkauft wird. 10x teurer! Und das für ein Medikament für das praktisch kein Forschungsaufwand geleistet wurde. Auf keinen Fall jenen häufig genannten langjährigen risikoreichen Forschungsprozess von dem nur jedes 10. Medikament überlebt. Nein, umverpacken, Studien erstellen und verkaufen.
Bestehen Interessen an mehr Kranken? Kann jemand ein Interesse an neuen Krankheiten haben?
Im Artikel Medikalisierung wurde über die Tendenz der Ausweitung des "medizinischen Bereiches" eingegangen. Die Ausweitung der Medizin erfolgt nicht nur "unbewusst" und "von selbst", sondern sie kann aktiv gefördert und betrieben werden. So können bewusst neue Krankheiten kreiert, bekannte Krankheiten dramatisiert und die Grenzwerte verändert werden. Dieser Vorgang wird als Krankheitserfindung bezeichnet. Das englische Stichwort heisst Disease Mongering. Diese Krankheitserfindung ist verantwortlich für einen Teil der Medikalisierung unseres Alltages.